Wandergeselle macht Station in der Prignitz

Pritzwalk/Perleberg. Maurergeselle Thomas Hoppe machte am Donnerstag Station im Pritzwalker Rathaus. Er überbrachte der Stadt in Person von Kämmerin Kornelia Wienke und Sabine Kadasch, Leiterin des Amtes für Verwaltungssteuerung, Bürgerservice und Ordnung, seine „allerfreundlichsten Grüße“ in Versform.

Drei Jahre und einen Tag unterwegs

Der 24-jährige Thomas Hoppe war vor zwei Monaten in Oranienburg zur so genannten Walz aufgebrochen, bei der Handwerksgesellen für mindestens drei Jahre und einen Tag durch die Lande ziehen. Dabei sind die Gesellen auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen, die ihnen einen Schlafplatz oder eine Arbeit geben kann. Während der Wanderschaft dürfen sich die jungen Männer ihrem Heimatort nicht mehr als 50 Kilometer nähern. Nicht einmal zu Weihnachten.

Hoppe hat, wie er den Amtsleiterinnen berichtete, in den zwei Monaten seiner Walz auch schon hinter Supermärkten oder unter einem Weihnachtsbaum geschlafen. Zu seinen Stationen zählten Greifswald, Rostock, Hamburg, Bielefeld, Wuppertal, Leipzig, Frankfurt/Oder. In Schwerin verbrachte er Silvester. Nächste Woche will er in Jena sein, wo er eine Arbeit für vier Wochen gefunden hat – Parkett verlegen.

Kein Smartphone und kein Auto

Wandergesellen führen ein hartes Leben: Smartphone oder Laptop sind verboten. Thomas Hoppe kommuniziert mit seiner Familie wie in den alten Zeiten per Post. Ein Auto dürfen die Handwerker nicht haben, die Benutzung des öffentlichen Personenverkehrs ist verpönt. Im ersten Jahr der Walz wandert der 24-Jährige durch Deutschland, im zweiten durch ganz Europa. Im dritten Jahr will er sich die Welt ansehen.

Alle Stationen und alle Spenden werden ins Wanderbuch eingetragen, das der Maurergeselle auch Kämmerin Wienke vorlegte. Von der Stadt Pritzwalk erhielt er einen kleinen Geldbetrag. Nachdem sich Thomas Hoppe mit einem weiteren Vers bedankte, zog er weiter.

Foto: Wandergeselle Thomas Hoppe zeigt Kornelia Wienke (l.) und Sabine Kadasch sein Wanderbuch.


Christian Müller empfing den Wandergesellen Thomas Hoppe
walz.jpg
Auf der Walz stattete der Maurergeselle Thomas Hoppe (r.) der Kreisverwaltung einen Besuch ab. Christian Müller empfing den Wandergesellen. /Foto: Landkreis Prignitz

Thomas Hoppe stellte sich am Donnerstag auch in der Kreisverwaltung in Perleberg vor. Der Maurergeselle ist seit zwei Monaten auf der Walz. Aus Oranienburg kommend war er auf der Durchreise nach Bielefeld. Frisch ausgelernt wollte er nach Abschluss seiner Gesellenprüfung die Wanderschaft nutzen, bewährte Handwerksrituale zu pflegen.

Zur Walz oder Tippelei gehören nach altem Brauch nicht nur die stilgerechte Kluft mit Hut, Weste und Schlaghosen, sondern auch Utensilien wie ein Stenz, der Wanderstab, oder ein Charlottenburger, ein großes Tuch  für die Wechselwäsche und die Habseligkeiten des wandernden Gesellen.

Christian Müller, 1. Beigeordneter des Landrates,  empfing den seltenen Gast, der Land und Leute und sich selbst kennen lernen wollte, wie er beim Vorstellen sagte. Dafür wird er drei Jahre und einen Tag auf der Walz sein. Neben einem Kaffee erhielt Thomas Hoppe auch den obligatorischen Eintrag in sein Wanderbuch, das alle Arbeitseinsätze dokumentiert und zugleich als eine Art Reisetagebuch fungiert.

Quellen: Stadt Pritzwalk + Landkreis Prignitz
Foto: Beate Vogel