Leserbrief: Und was machen Sie am Wochenende?

Pritzwalk. Spätestens am Freitag heißt es allerorten: „Schönes Wochenende!“ Meist ist die Vorfreude darauf groß  – aber auch die Liste der Vorhaben: Ausgehen, Ausschlafen, Freunde treffen, in Ruhe mit der Familie frühstücken oder endlich Zeit haben, um beim Hausbau voran zu kommen – das sind nur einige Möglichkeiten.

Am Dreikönigstag traf sich in der Kirche zu Pritzwalk eine Gruppe von Menschen, für die am Wochenende regelmäßig etwas ganz Besonderes auf dem Plan steht: Sie besuchen nicht nur unsere Gottesdienste. Sie halten sie auch selbst! Die sogenannten „Lektoren“ sind engagierte Menschen unserer Kirchengemeinden, die sich in Schulungen zugerüstet haben, um selbständig verantwortet Gottesdienste zu gestalten.

Aufgeschlossene und geschmückte Kirchen

Ihr Dienst ist eine große Bereicherung für unsere Gemeinden. Nicht nur, weil sie mit gewährleisten, dass an vielen Orten unseres Kirchenkreises regelmäßig Gottesdienst gefeiert werden kann. Sondern auch, weil die Auswahl der Gebete, Lieder oder der Lesepredigt immer auch eine sehr persönliche, authentische Weise der Verkündigung ist. Durch ihre Präsens sind unsere Lektoren für so manchen Gottesdienstbesucher an den Sonntagen auch erste Anlaufstelle, um eine Sorge loszuwerden oder eine Information weiterzugeben.

In der Regel treffen unsere Lektoren auf aufgeschlossene, geschmückte Kirchen. Aber im Einzelfall kam es auch schon vor, dass sie vor dem Gottesdienst noch selbst schnell zum Besen greifen, um ein paar Spinnweben zu entfernen. Eine echte Herausforderung ist für manchen, wenn es keine musikalische Begleitung gibt. Man muss also auf einiges gefasst sein, wenn man diese wichtige und schöne Aufgabe übernimmt.

Lektoren in Pritzwalk

In unserem Kirchenkreis engagieren sich über20 Männer und Frauen als Lektoren. Drei Weitere haben sich in einer mehrjährigen anspruchsvollen Ausbildung als Prädikanten ausbilden lassen. Sie formulieren die Predigt selbst und sind auch berechtigt das Abendmahl auszuteilen. Lektoren und Prädikanten unseres Kirchenkreises treffen sich mehrmals im Jahr in einem eigenen Konvent um sich für ihren wichtigen Dienst zuzurüsten und die Dienste abzusprechen.

Einmal im Jahr wird auch zu einem gemeinsamen Wochenende eingeladen. Beratend und anleitend stehen dem Lektorenkonvent die Pfarrer Alexander Bothe aus Wusterhausen und Lars Haake aus Sieversdorf zur Seite. Zu Epiphanias, am 6. Januar, waren alle Lektoren nach Pritzwalk eingeladen. Eine kleine Abordnung hielt einen ansprechenden Gottesdienst in der Taufkapelle der Sankt Nikolaikirche. Alle Mitwirkenden waren mit Freude dabei und führten die Gemeinde sicher und ansprechend durch den Gottesdienst.

Essen nach dem Gottesdienst

Die Predigt hielt Frau Dr. Hackstein zum Evangelium des Tages. Mit klaren Worten nahm sie die Gemeinde mit hinein in die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland. Die Begegnung mit dem Kind in der Krippe ließ sie alte Wege verlassen, neuen Zielen folgen. Auf welche Wege werden wir geführt?

Nach dem Gottesdienst waren alle Lektoren mit ihren Partnern zum Essen eingeladen. Pfarrer Haake sprach dabei ausdrücklich auch den Angehörigen unserer Lektoren seinen Dank aus. Sie tragen diesen Dienst an vielen Stellen mit. Beim Essen kam ich mit der Prädikantin Irmela Röse ins Gespräch. Sie erzählte, dass sie ca. 20 Gottesdienste im Jahr übernimmt. Am Heiligen Abend waren es drei, dazu legte sie 220 km mit dem Auto zurück. Einen Gottesdienst schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Er braucht intensive Vorbereitung.

Viel Freude und Sorgfalt

Frau Röse geht mit Freude ans Werk, stimmt sich schon vor Beginn auf ihren Dienst ein, indem sie sich in die Liturgie einsingt. Auf ihrem Weg zum Gottesdienst lässt sie das Radio eingeschaltet, wägt ab, ob eine aktuelle Meldung in der Fürbitte bedacht werden sollte. Mit so viel Freude und Sorgfalt vorbereitete Gottesdienste sind eine große Bereicherung für unsere Gemeinden! Ein Dankeschön an alle, die sich derart engagieren.

Quelle: Anja Grätz, Pfarrerin in Neustadt/Dosse (inkl. Foto)