Wohngruppe für ganz besondere Kinder

Schönhagen. In der Mittagspause ist für Fynn und Johnny Ruhe angesagt. Die nutzen sie, um entspannt ein bisschen auf ihren Nintendo DS zu spielen. „Ich möchte so gern noch mehr können“, sagt der sechsjährige Johnny, als er dem Pritzwalker Bürgermeister Dr. Ronald Thiel seinen kleinen Computer mit dem aktuellen Level zeigt. Der siebenjährige Fynn erklärt dem Bürgermeister, was er alles so für Spiele für den Nintendo hat.

Das Stadtoberhaupt besuchte am Montag (28. Januar) gemeinsam mit seinem Vize Halldor Lugowski das Kinder- und Jugendhaus Georg Müller im Pritzwalker Ortsteil Schönhagen. Eingeladen hatte der Geschäftsführer der Gesellschaft für soziale Projekt- und Raumentwicklung mbH (GsPR ), Guntram Winterstein. Bürgermeister Thiel überreichte ihm einen Gutschein für das Hainholzschwimmbad, das er an einem Tag seiner Wahl mit den Kindern kostenlos besuchen kann.

Sie haben Schreckliches erlebt

Elf Kinder verschiedenen Alters leben in der lerntherapeutischen Wohngruppe auf dem Vierseitenhof in Schönhagen. Die Einrichtung bietet neun Heimplätze für Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter und zwei weitere Plätze für Kinder und Jugendliche im betreuten Einzelwohnen. Alle diese Kinder haben Schreckliches erlebt und mussten aus ihren Familien herausgenommen werden.

Zwei der Kinder benötigen zum Beispiel die Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Sie können die Schule nicht besuchen, weil sie wegen der Erlebnisse in ihrer Vergangenheit das Vertrauen in die Menschen verloren haben. „Wir betreuen hier oft Kinder, die nicht in andere Kinder- und Jugendeinrichtungen passen“, erklärt Geschäftsführer Winterstein.

Die Plätze sind knapp

Die Nachfrage ist hoch: „Wir bekommen viel mehr Anfragen, als wir bewältigen können.“ Im Sommer 2018 habe es 20 Anfragen gegeben. „Davon konnten wir ein Kind aufnehmen“, so der Geschäftsführer.

14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die jungen Bewohner. Sie versuchen, ihnen familienähnliche Verhältnisse zu bieten. Der Personalschlüssel in seiner Einrichtung sei dreimal höher als in anderen, sagt Guntram Winterstein. Da ist der Bedarf an Fachpersonal hoch. „Wir bilden selbst gerade vier Leute aus.“

Junge Familien werden gesucht

Guntram Winterstein steht einer seiner Söhne zur Seite: Jakob Winterstein macht gerade die Ausbildung zum Erzieher. Er kann sich nicht vorstellen, die Prignitz zu verlassen, sagt Jakob Winterstein: „Ich sehe die Gegend hier eher als Vorteil.“ Sein Vater Guntram Winterstein will versuchen, junge Familien in die Prignitz zu bekommen, die vielleicht ein Kind aufnehmen.

Mit Bürgermeister Dr. Ronald Thiel und Halldor Lugowski, der in der Stadtverwaltung Pritzwalk das Amt für Stadtentwicklung leitet, beriet Guntram Winterstein über eine mögliche Erweiterung des Kinder- und Jugendhauses, am liebsten gleich in Schönhagen. Amtsleiter Lugowski will sich um eine Lösung bemühen. „Jede Einrichtung in den Dörfern ist ein kleiner Anker“, sagte Bürgermeister Thiel, „jeder Erhalt von Bausubstanz ein Signal.“

Foto: Bürgermeister Dr. Ronald Thiel besucht die Wohngruppe: Guntram Winterstein mit Fynn, Jakob Winterstein mit Johnny, begleitet von Halldor Lugowski, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung (v.l.).

Quelle: Stadt Pritzwalk
Foto: Beate Vogel