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» Am Gründonnerstag beginnt der traditionelle Start in die Pilgersaison

Bölzke. Pilgern wird heutzutage immer beliebter, denn es heißt nicht ohne Grund: Pilgernde kehren glücklich und gesund zurück. Traditionell wird daher die Pilgersaison in der Prignitz am Gründonnerstag, dem 18. April um 10 Uhr vor der Kirche in Bölzke mit dem Anpilgern auf dem Annenpfad eröffnet. Pünktlich zum Saisonbeginn können die Pilgernden zudem die frisch sanierte Wallfahrtskirche St. Anna in Alt Krüssow bei einer Andacht erleben.

Gemeinschaftliches Erlebnis und Zusammenhalt

Mit dem wiederbelebten rund 130 Kilometer langen Pilgerweg von Berlin zur Wunderblutkirche in Bad Wilsnack konnte die Prignitz in den letzten Jahren erfolgreich an der Pilgertradition des Mittelalters anknüpfen. Das Anpilgern ist der Auftakt einer in der Prignitz bedeutsamen Tradition. Der 22 Kilometer lange Annenpfad ist einer der beliebtesten Heiligen des Spätmittelalters gewidmet und verbindet für die Dauer eines Tagesmarsches die Dorfkirche Bölzke sowie die Wallfahrtskirchen in Heiligengrabe und Alt Krüssow miteinander.

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Foto: Arbeitskreis Anenpfad

Seinen Namen erhielt der Pilgerweg in Anlehnung an die mittelalterliche Wallfahrt zur Kirche St. Anna in Alt Krüssow. „Die heilige Anna gilt als Marias Mutter und somit als Jesu Großmutter. Im Mittelalter war Anna eine der beliebtesten Heiligen und unter anderem Schutzpatronin der Frauen und Mütter“, erklärt Mike Laskewitz, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz. „Das Besondere am Anpilgern ist das gemeinschaftliche Erlebnis und der Zusammenhalt, den man mit den anderen Pilgern auf der Strecke erfährt. Es fühlt sich an, als ob man in einer großen Familie unterwegs wäre.“

Informationen bei Kaffee und Kuchen

Die Eröffnung der Pilgersaison auf dem Annenpfad wird traditionell jedes Jahr am Gründonnerstag durchgeführt. Die gemeinsame Wallfahrt beginnt in diesem Jahr am 18. April um 10 Uhr vor der Kirche in Bölzke mit Grußworten und dem Pilgersegen. Die erste Etappe führt nach Heiligengrabe, wo den Pilgernden ein Mittagsimbiss angeboten wird und die Seele in einer Mittagsandacht Stärkung finden kann.

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Foto: Arbeitskreis Anenpfad

Weiter geht es zur Wallfahrtskirche in Alt Krüssow. Dort erhalten die Pilger bei Kaffee und Kuchen Informationen rund um die herausfordernde Sanierung der Kirche St. Anna. Zudem können die Wallfahrer in der sanierten Kapelle an einer Pilgerandacht teilnehmen. Die Legende besagt, dass in der Kirche ein Rock der heiligen Anna aufbewahrt wurde, so dass die Kirche im Mittelalter neben der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack das wichtigste Pilgerziel der Prignitz war.

Letzte Etappe führt nach Bölzke

Bis in den Winter hinein wurden in Alt Krüssow an der Pilgerkirche aufwändige Arbeiten zur Turm- und Fassadensanierung ausgeführt sowie die Fenster des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks erneuert. Um den Pilgernden den Besuch der Kirche angenehmer zu machen, gibt es nun auch einen neuen Anbau mit sanitären Anlagen, der sich dank der 500 Jahre alten verwendeten Feld- und Backsteine dem imposanten Anblick des Bauwerks anpasst. „Im April soll als finale Abrundung der umfangreichen Sanierung die Bekrönung der K irche mit Kreuz und Kugel erfolgen“, erklärt Uwe Dummer, Vorsitzender des Fördervereins Wallfahrtskirche Alt Krüssow.

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Foto: Uwe Knoblauch

Die letzte Etappe führt schließlich zurück nach Bölzke. Der Kern des kleinen Rundlingdorfes ist die kleine Fachwerkkirche von 1825. Die Kirche zeichnet sich jedoch nicht nur durch ihren schlichten Fachwerkbau au.: Eine weitere Besonderheit der Kirche ist der von Meister Groth signierte Kanzelaltar von 1757. Um dem drohenden Verfall der Bölzker Kirche Einhalt zu gebieten, wurde 1998 der gemeinnützige Förderverein gegründet.

Pilgertag von Shuttle-Bus begleitet

Nach erfolgreicher Restaurierung durch die Initiative eines Fördervereins konnte die Kirche 2011 wiedereröffnet werden und bildet nun Zentrum und Treffpunkt bei Pilgerrouten durch das kleine Dorf. Die Pilgernden sind außerdem in die Ausstellung über das Pilgerwesen eingeladen, die das in allen Kulturen auftretende Phänomen des Pilgerns illustriert. Darüber hinaus gibt es Infostellen, ein meditatives Labyrinth sowie eine „Bücherzelle“ vor der Kirche.

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Foto: Markus Tiemann

Der Pilgertag wird von einem Shuttle-Bus begleitet. Wer nur eine Teilstrecke gehen möchte, kann zur nächsten Etappe oder zum Auto gebracht werden. Bahnanreisende können am Bahnhof Pritzwalk den Shuttle-Bus nehmen. Die Anmeldung für den Shuttle ist unter der Telefonnummer 03395/30 95 90 möglich.

Stadt gilt als „Santiago des Nordens”

Höhepunkt der Pilgersaison ist das traditionelle Pilgerfest in Bad Wilsnack rings um die Wunderblutkirche, das dieses Jahr am 18. August stattfindet. Der Kurort bildet den Ursprung der Pilgertradition in Prignitz: Der Wunderblutlegende zufolge wurden hier im Jahr 1383 nach einem Brand der Kirche drei unversehrte Hostien gefunden, die Blutflecken aufwiesen.

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Foto: Markus Tiemann

Schon bald ereigneten sich weitere Wunder, die den Ruhm des „Heiligen Blutes” mehrten. Hunderttausende Menschen aus ganz Europa strömten jedes Jahr zu diesem heiligen Ort in der Prignitz. Ihr Ziel war es, das „Heilige Blut” zu besuchen, um Hilfe in körperlichen oder seelischen Nöten zu erfahren. Als berühmtestes Pilgerziel Nordeuropas galt die Stadt sogar als „Santiago des Nordens”.

„Das Fest erinnert an die mittelalterliche Wallfahrt und lädt Pilger, Urlauber und Einheimische zu einem Mittelaltermarkt sowie verschiedenen kulturellen Höhepunkten ein“, erläutert der Tourismuschef. Abschließend führt er fort: „Pilgern ist eine spirituelle Erfahrung, egal, ob man dabei Gott sucht oder einfach nur Ruhe und den Einklang mit sich und der Natur. Daher wird Pilgern heute immer beliebter, gerade in der Prignitz.“

Quelle: Tourismusverband Prignitz e.V.
Foto oben: Arbeitskreis Annenpfad


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