Perleberg/Rom. 45 Schüler und drei Lehrerinnen des Gottfried-Arnold-Gymnasiums Perleberg begaben sich vor den Oktoberferien mit der einwöchigen Studienfahrt nach Italien auf eine Zeitreise in die Antike. Sie hatte die Ausgrabungsstätten Pompeji und Herculaneum, das Nationalmuseum Neapels, den Vesuvaufstieg und einen Abstieg in den „Keller“ der Metropole sowie die Stippvisite in die ewige Stadt Rom auf der Rückfahrt im Programm. Aber auch die Besonderheiten des italienischen Stadtverkehrs, die engen Straßen, die den Busfahrern höchstes Können abverlangten, der Sonnenuntergang mit Blick auf Capri und das Baden bei Flutlicht gaben der Reise etwas Einmaliges.

„Schauen Sie sich diesen Schlüssel an. Er sieht so aus, als wäre er mitten in der Katastrophe stecken geblieben“, sagt die Reiseführerin Raffaela im Nationalmuseum von Neapel und zeigt auf einen alltäglich wirkenden Schlüssel, der noch im Schlüsselloch steckt. Die besagte Katastrophe ereignete sich vor 1940 Jahren, als der Vesuv ausbrach und die Städte wie Pompeji und Herculaneum unter sich begrub. Irgendwie kommt jeder Reiseführer auf dieses Ereignis zu sprechen, so erklärt Stefano, der auf dem Vesuv geologisches Wissen vermittelt, dass Pompeji während des Ausbruchs durch Lava und Gestein zerstört und verschüttet wurde, während Herculaneum von einer Schlammschicht bedeckt wurde.

Aus diesen Gründen sind die heutigen Ausgrabungsstätten auch so unterschiedlich. Eine Momentaufnahme der Katastrophe zeigen die Gipsfiguren: Erwachsene, Kinder, die sich mit den Händen versuchen zu schützen, sich umarmen. Archäologen haben die Hohlräume der Lava, die die Verunglückten einst umschloss, mit Gips aufgefüllt und so wieder sichtbar gemacht. Gaetano, der Pompeji-Führer, erklärt das Straßen- und Wassersystem. An allen Kreuzungen standen Brunnen, die sauberes Trinkwasser spendeten. Damit die Fußgänger bequem und trockenen Fußes die Straßen überqueren konnten, gab es Zebrastreifen aus Stein. Das waren große Steinblöcke, die, um den Verkehr zu regulieren, in einem bestimmten Abstand zueinander gesetzt waren.

Auf diese Weise konnten nur Zweispänner mit einer bestimmten Achsenbreite die Straßen passieren. Dass auf den Straßen viele Waren transportiert wurden, zeigen die Räderspuren im harten Stein. Aber auch ansonsten war viel los in der antiken Hafenstadt: Gaetano zeigt immer wieder auf ein Symbol, das gleichzeitig ein Zeichen der Fruchtbarkeit, aber auch des horizontalen Gewerbes ist. „30 Bordelle gab es in der Stadt und auch 30 Bäckereien“, erzählt er augenzwinkernd. Das kleinere Herculaneum, ein Fischerort mit wohl ca. 5000 Einwohnern, erscheint heiler als Pompeji. Nur ein Teil der antiken Stadt ist freigelegt, auf dem Großteil stehen die Wohnhäuser der modernen Stadt.

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In den Bootshäusern liegen Skelette der Menschen, die damals versuchten, über das Meer Schutz vor dem Unglück zu suchen. Überall ist der Alltag der Römer während der Erkundungstour sichtbar: Eine Weinschenke wirkt so, als wäre der Besitzer gerade erst gegangen. Die Amphoren liegen noch in den Regalen, das Holz ist jedoch eher Holzkohle. Es ist Ende September und die Sonne meint es gut mit den Teilnehmern der Studienfahrt, umso deutlicher wird es, wie klug damals gebaut wurde. Sobald man die Häuser betritt, bieten die hohen Außenwände, aber auch der Säulengang um den Garten angenehmen Schatten.

Hier ist ein Haus aus Fachwerk, wie es sie auch in Perleberg gibt, dort ein zweistöckiges Haus, dessen Treppen noch gut zu sehen sind. Eine hölzerne Tür, die das Atrium (Eingangshalle) vom Tablinum (Arbeitszimmer) trennt. Es gibt so viel zu entdecken: Mosaike, Fresken, Brunnen, Verzierungen an den Wänden, weiße Steine im Fußboden, die das Licht der Fackeln reflektieren sollten, Graffitis und immer wieder an den Straßenecken Garküchen. Die Schätze dieser Ausgrabungsstätten beherbergt das Nationalmuseum, die Begeisterung Raffaelas ist nahezu ansteckend, die Exponate atemberaubend.

Da sind die Skulpturen oder das eine ganze Wand einnehmende Alexandermosaik, das die Schlacht bei Issos zeigt und die Empfindungen der Beteiligten so detailgetreu wiedergibt. Die einzelnen Steinchen des Mosaiks sind so groß wie ein Fingernagel. Die Fresken, die die Räume deutlich tiefer wirken ließen, sind ebenso faszinierend wie die kleinen gläsernen Fläschchen für Parfüms, die durch die enorme Hitze des Vulkanausbruchs teilweise verformt sind. Dass die Römer große Baumeister waren, ist unstrittig. Aber nicht nur die Monumente, wie das Kolosseum und die Thermenanlagen in Rom zeugen davon, sondern auch das System der unterirdischen Wasserleitungen im „Keller“ Neapels.

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Über 2000 Jahre versorgte dieses System die große, von den Griechen gegründete Stadt. Erst mit dem Ausbruch der Cholera im Mittelalter konnte das Wasser nicht mehr genutzt werden. Ein kleines Abenteuer war es, durch die engen Schächte zu gehen, beeindruckend dann wiederum, in großen Hallen zu stehen, die früher Wasserbecken waren. Giulia, unsere Reiseführerin, erklärt, dass diese Gänge vielfältig von Neapels Einwohnern genutzt wurden: Sie waren Luftschutzbunker während des zweiten Weltkrieges, sie dienten als Mülldeponie, heute nutzt man die immer gleichbleibenden Temperaturen für botanische Zwecke: Basilikum für die Restaurants über unseren Köpfen gedeiht unter künstlichem Licht.

Dass wir Menschen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Errungenschaften der Ahnen aufbauen, wird deutlich, als wir uns gleichzeitig in einem Wohnhaus und dem antiken Theater Neapels befinden. Bei der Stippvisite in der ewigen Stadt wird das antike Rom zu Fuß erkundet. Es fühlt sich an, als wäre man in einem großen Freilichtmuseum. Die Reste des Kaiserpalastes auf dem Palatin schauen auf den Circus Maximus, die Pferderennbahn, die über 20 0000 Zuschauern gleichzeitig unterhielt. Die Fassade eines modernen Hauses nutzt die Außenmauern des Marcellustheaters. Gegenüber stehen Tempel.

Unterhalb des Kapitols breitet sich das Forum Romanum aus. Das ist der Ort, an dem Caesar und Cicero Reden hielten, Politik machten. Man sieht Triumphbögen, Tempelreste, Straßen und etwas weiter weg das Amphitheater, das jeder als Kolosseum kennt. Von außen erscheint das Monument schon groß, seine wahre Größe zeigt es erst von innen, wenn die vielen Ränge übereinander sichtbar werden, die einst 50 000 Zuschauern Platz boten. Am Petersdom endet die gemeinsame Stadtbesichtigung, vier Stunden später geht es mit der Metro wieder zurück zum Bus, nach weiteren 22 Stunden sind alle wieder in Perleberg.

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Quelle: Gymnasium Perleberg/Rhea Zierke (inkl. Fotos)


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