» Erinnerunsgblättchen Nr. 66 für Erich Zweigert

Die Familie Zweigert hat unter Juristen einen respektablen Ruf, denn gleich mehrere Mitglieder nahmen hohe Positionen im Verlaufe des 20. Jahrhunderts ein. Die Stadt Perleberg erinnert am 20. November an Erich Zweigert als Sohn der Stadt, der vor 140 Jahren in der Kreisstadt geboren wurde. Hier lebte die Familie einige Zeit, zu der fünf Kinder gehörten, bevor der Vater Wilhelm Erich Julius Leberecht, seines Zeichens Jurist, nach Stationen in Potsdam und Guben im Jahre 1886 das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Essen übernahm. Die Industriestadt entwickelte sich unter seiner 20 Jahre währenden Führung zu einer prosperierenden Großstadt.

Sohn Erich Zweigert studierte zielstrebig und promovierte im Fach Jura, arbeitete u.a. am Oberlandesgericht Posen und wechselte ins Reichsjustizministerium, wo er 1920 den Titel Ministerialrat erlangte. Zwischen 1923 und 1933 war sein Wirkungsort das Reichsinnenministerium als Staatssekretär und Vertreter des Reichsinnenministers. Die Nationalsozialisten sorgten für seine Entlassung. Sein Sohn Konrad (1911-1996), SPD, wurde ebenfalls Jurist und 1951 bis 1956 Richter am Bundesverfassungsgericht.

Dem exzellenten Staatsrechtler Erich Zweigert ist auf der Rückseite des Erinnerungsblättchens das Perleberger Sparkassengebäude auf dem Großen Markt zugeordnet. Die Chronik der Sparkasse Prignitz berichtet, dass ab 1854 in Perleberg eine „Sparkasse“ eingerichtet wurde, anfangs in einem Privathaus in der heutigen Parchimer Straße. Von dort wurden die Geschäfte in ein privates Wohnhaus Am Hohen Ende verlagert, sie wurden zeitweilig in der Apotheke und im Rathaus abgewickelt. Erst seit 1928 befindet sich die Sparkasse in einem eigenen Gebäude am Großen Markt. In wenigen Jahren blickt man dann dort auf 100 Jahre Standort und neue Formen von Geldgeschäften, vielleicht mit ein wenig Sentimentalität auf Bargeld und täglichen Kundenbetrieb.

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» Erinnerunsgblättchen Nr. 67 für Carl Schlomka anlässlich des 125. Todestages

Carl Ludwig Theodor Schlomka erblickte 1821 in Perleberg das Licht der Welt. Sein Vater war zu dieser Zeit Prediger an der St. Jacobi-Kirche. Als dieser 1831 zum Superintendenten der Diözese Straßburg bestellt wurde, hieß es für die Familie, die Zelte in Perleberg abzubrechen. Carl wurde auf das berühmte Joachimtal‘sche Gymnasium in Berlin geschickt und studierte anschließend Jura. Berufserfahrung sammelte der junge Mann in Erfurt und Königsberg, wo er sich zum Fachmann für Handelsrecht spezialisierte.

Als das Reichsgericht in Leipzig am 1.10.1879 seine Arbeit aufnahm, war der anerkannte Jurist Carl Ludwig Theodor Schlomka vom ersten Tage an mit dessen Gestaltung, mittlerweile als „Reichsgerichtsrath“, befasst. Sein Senatseintritt ist für den 1.10.1879 dokumentiert, sein Senatsaustritt für den 1.11.1889. Er starb vor 125 Jahren am 22.11.1894 in Leipzig.

Auf der Rückseite des Erinnerungsblättchens wird das Hauptgebäude der Landkreisverwaltung in der Berliner Straße 49 vorgestellt, das sich heute keineswegs in ursprünglicher Planung – jedoch vorbildlich saniert – präsentiert. Der Bauplan stammt von Maurermeister C. Engel. Es sind nur wenige Veränderungen seit seiner Errichtung 1863 vorgenommen worden, die jedoch von großem Sachverstand der verantwortlichen Bauunternehmer zeugen, so 1878 der Saalanbau durch Maurermeister F. Vogel und der rechte Anbau, einst mit Holzveranda, 1895 von Bauunternehmer M. Viereck. Untrennbar mit dem Landratsgebäude sind der Landrat Julius von Jagow (1860-1895) und dessen Sohn Traugott von Jagow (1895-1907) verbunden, die im Kreise Westprignitz zahlreiche Entwicklungen beförderten, so u.a. den Ausbau des Verkehrsnetzes sowie das Augenmerk auf die kulturhistorischen Werte in der Region (Seddin, Museum Havelberg) lenkten.

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» Erinnerunsgblättchen Nr. 68 für Lord Benjamin Bathurst

Der englische Diplomat wurde nur 25 Jahre alt. Er verschwand in Perleberg vor 210 Jahren auf ungeklärte Weise, obwohl bis heute viele Forschungen in Deutschland und selbst in England zu seinem Verschwinden angestellt worden sind. Als sicher gilt: Perleberg wurde vor 210 Jahren ein Schauplatz eines politischen Mordes. Das Erinnerungsblättchen für Lord Benjamin Bathurst erklärt die politischen Zeitumstände, in denen Napoleon die Staatsgefüge Europas ins Wanken brachte, aber lässt auch wissen, dass Lord Bathurst eine Frau und Tochter hatte. Seine Frau kam nach seinem Verschwinden sogar selbst von England nach Perleberg, um Aufklärung zu erhalten.

Auf der Rückseite des Erinnerungsblättchens beschreibt Dr. Dieter Hoffmann-Axthelm die Baugeschichte des Gebäudes neben der einstigen Poststation, an welchem im Schatten der Postkutsche die Beseitigung des Diplomaten 1809 geschah. Der Ort hat in den zurückliegenden zwei Jahrhunderten nicht nur Besitzer und Gestalt geändert, sondern auch Namen: „Gasthaus zum weißen Schwan“, „Hotel Stadt London“, „Hoffmanns Hotel“, was nun präzise nachzulesen ist.

Quelle: Stadt Perleberg (inkl. Fotos)


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