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Perleberg. Wer in der Rostocker Marienkirche die Epitaphe genauer in Augenschein nimmt, entdeckt eine Erinnerungstafel für einen Perleberger. Eine ungewöhnliche Lebensreise endete hier in der Universitätsstadt vor genau 200 Jahren und lässt gerade in den derzeitigen Corona-Monaten aufhorchen. Denn Ohnmacht gegen Seuchen gab es auch damals.

Erinnert wird mit einem neuen 75. Perleberger Gedenkblättchen an den Medizinprofessor Ernst Carl Wilhelm Beust, geboren am 24. Juni 1797 zu Perleberg, gestorben am 2. November 1820 in Rostock. Seine medizinischen Fähigkeiten, die schließlich zur Berufung an die Universität der Hansestadt Rostock führten, erwarb der junge Beust zweifelsfrei von seinem Vater, dem Kreisphysikus und Medizinalrat Carl Friedrich Beust (1768-1813) in Perleberg.

Forschung steckt in den Anfängen

Die Blattern (Pocken) breiteten sich zu seiner Zeit epidemisch aus und rissen unzählige Kinder in einen elenden Tod. Angestrengt wurde von einzelnen Medizinern nach einem Gegenmittel gesucht, denn die Forschung steckte noch in den Anfängen. In England experimentierte schließlich erfolgreich John Hunter mit einem Kuhpockenimpfstoff. Beust überzeugte die Wirkung und experimentierte selbst.

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Als die Wirkung zweifelsfrei bewiesen war, wagte er in der Prignitz eigene Impfungen an 1200 Kindern, denen er damit das Leben rettete, wie Dr. Wolfram und Martina Hennies in Perleberg recherchierten. Die größte Belastungsprobe für den Mediziner war dabei vermutlich die Überzeugung besorgter Eltern, eine Impfung ihrer Kinder zuzulassen und den Erfolg abzuwarten.

Jüngster Professor mit einem Lehrstuhl

Sohn Ernst wird dieser Forscherdrang, die Nächstenliebe und Verpflichtung als Mediziner des Vaters geprägt haben. Nach seinem Medizinstudium und Promotion „über den Husten“ erhielt er die Berufung als Professor nach Rostock. Allerdings konnte sich seine Begabung nicht mehr entfalten, da ihn ein früher Tod ereilte. Er war der jüngste Professor mit einem Lehrstuhl an der Rostocker Universität.

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Sein Freund Carl August Wilhelm Berends, späterer Königlich Preußischer Geheimer Medizinal-Rath, Professor und Direktor des medizinisch-klinischen Institutes der Universität zu Berlin, schrieb im Jahre 1829 in Memoriam über E. C. W. Beust „eine vortreffliche Arbeit meines leider viel zu früh verstorbenen Universitätsfreundes, der, hätte er fortgelebt, ein Stolz seines Zeitalters geworden wäre. Er hatte die trefflichsten Schul- und Sprachkenntnisse, ein gesundes Urteilsvermögen, einen durchdringenden Verstand, allein sein Geist war nur allzu tätig, kaum hatte er die Professorenwürde in Rostock erlangt, als ein bösartiges, ataktisches Gehirn- oder Nervenfieber ihn in wenigen Tagen der Welt beraubte.“

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» Die Stadt Perleberg als Herausgeber des Erinnerungsblättchens setzt dem hoffnungsvollen Mediziner nun zum 200. Todestag damit auch ein Lese-Denkmal in seiner Heimatstadt. Das Blättchen ist ab sofort in der Stadtinformation, Großer Markt 12, kostenfrei erhältlich.

PPA/pb


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