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Perleberg. Als der Künstler Gunter Demnig 1992 damit begann, Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen, schien seine Idee den allein sechs Millionen Juden niemals gerecht werden zu können. Ende 2019 verlegte er den 75.000. Stein und hat mit seiner Initiative erreicht, dass neben Deutschland auch in 24 anderen Ländern Stolpersteine an die Toten erinnern, darunter Sinti und Roma, Homosexuelle, Deserteure.

Es ist damit das weltweit größte denzentrale Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus entstanden.

So baten die Perleberger Stadtverordneten 2009 auch um die Verlegung von Stolpersteinen an vier Stellen im historischen Stadtkern. Seitdem begeht die Stadt mit anderen Akteuren, Jugendlichen und Bürgern jährlich am 9. November eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors vom 9. November 1938.

Die Stolpersteinaktion beginnt diesmal am Montag, 9. November, um 18 Uhr auf dem Großen Markt und führt zu den vier Häusern am Markt, in der Parchimer Straße, an der Mauer und Am hohen Ende, in denen jüdische Bewohner im Jahre 1938 wohnten.

Gymnasiasten des Gottfried-Arnold-Gymnasiums hatten in den 1990er-Jahren im Stadtarchiv mit der Erforschung der Lebenswege dieser Perleberger Opfer begonnen. Zeitzeugen meldeten sich. Wissenschaftler forschten über die jüdischen Gemeinden und den Judenhof. Inzwischen sind Erinnerungsblättchen für weitere Opfer dazugekommen.

Opfer einer aufgehetzten Menge

Die jüdischen Bewohner in Perleberg waren in den 1920/1930er-Jahren assimiliert, sie fielen nicht auf und wurden dennoch unschuldige Opfer einer aufgehetzten Menge. Es waren Nachbarn, Kunden, Schüler und Gaffer, die dem Unglück der Perleberger Juden und ihrer Kinder zusahen oder an den Drangsalierungen beteiligt waren, die einer nationalsozialistischen Kundgebung auf dem Großen Markt folgten.

Während des Tages und Abends am 9. November 1938 erlitten diese Menschen Erniedrigung, Raub und Gewalt, anschließend in den meisten Fällen Deportation in ein Konzentrationslager und ihr Ende. In anderen Orten brannten die Synagogen, wurden jüdische Geschäfte geplündert. Ein Perleberger Zeitzeuge sagte 2009: „Die Juden wurden abgeholt und waren am nächsten Tag einfach verschwunden“.

Es entsteht ein Erinnerungsort

Ihr Tod sollte ihre Vernichtung sein, doch durch das Stolpersteinprojekt entsteht ein Erinnerungsort, werden diese Opfer nach dem Ansinnen Demnigs „an die Orte ihres Lebens zurückgebracht. Sie erhalten, nachdem sie in den KZs zu einer Nummer degradiert wurden, ihre Namen zurück.“ Es ist in Perleberg eine Erinnerungsarbeit von Menschen unterschiedlicher Überzeugungen und Alters, aber übereinstimmenden Bewusstseins: Nie wieder Menschenverachtung und rechte Gewalt in dieser Stadt!

Aus aktuellem Anlass bezüglich der Eindämmungsvorschriften des Covid-19-Virus ist in diesem Jahr von den Teilnehmern zuvor eine Anmeldung und Selbstauskunft bis Freitag, 6. November, in der Stadtinformation notwendig.


Programmablauf:

  • Treffpunkt: Großer Markt 11
  • Begrüßung durch Frau Jura, Bürgermeisterin Stadt Perleberg
  • musikalische Einstimmung
  • Putzen des Stolpersteins am Großen Markt 11
  • Lesung am Stolperstein für Malwine Sternberg
  • Rose niederlegen
  • Putzen des Stolpersteins in der Parchimer Straße 17
  • Lesung am Stolperstein für Margarete Franke
  • Rose niederlegen
  • Putzen des Stolpersteins An der Mauer 7
  • Lesung am Stolperstein für Adolf Lewandowski
  • Rose niederlegen
  • Putzen des Stolpersteins Am Hohen Ende 4
  • Lesung am Stolperstein für Markus Lang
  • Rose niederlegen
  • Musikalischer Ausklang

PPA/pb


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