Lesezeit: 3 Minuten

Wittenberge. Was geschah unmittelbar vor und nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in Wittenberge? Wie gestaltete sich der Alltag von Bewohnern, Einheimischen und Flüchtlingen sowie den Armeeangehörigen? Welche Schäden gab es in den Städten? Wie sind die Menschen mit dem Kriegsende umgegangen? Antworten auf diese und weitere Fragen sucht derzeit Lennart Gütschow.

Ereignissen um 1945 in der Elbestadt

Innerhalb eines durch das Land Brandenburg geförderten Museumsvolontariats ist er seit August dieses Jahres den Ereignissen um 1945 in der Elbestadt auf der Spur. Sein Arbeitsplatz ist das Stadtmuseum „Alte Burg“. Mindestens zweimal die Woche ist er derzeit auch im Stadtarchiv des Rathauses zu Gast. Interessant ist alles, was Aufschluss über Vorgänge aus der Zeit des Kriegsendes gibt, so der Historiker.

Lese jetzt auch:  Tourismus, Gastgewerbe und Corona: Prignitzer Gastronomen entwickeln eigenes 2G-Konzept

Dazu zählen alte Akten, Bekanntmachungen, Beschlüsse und Protokollbücher, aber auch persönliche Memoiren und Tagebücher. Noch wertvoller sind Zeitzeugen. Doch in der aktuellen Corona-Zeit gestalten sich Interviewtermine mit den sehr alten Menschen schwierig. Mit einigen konnte Lennart Gütschow dennoch bereits sprechen.

Lennard Gütschow an seinem Arbeitsplatz im Museum. I Foto: Martin Ferch

Auch Fotos geben Auskunft. Sie zeigen durch Artillerie zerstörte Teile der Stadt aber auch Eindrücke von der gemeinsamen Siegesparade der russischen und amerikanischen Streitkräfte. Laut Informationen eines Heimathistorikers, die Lennart Gütschow vorliegen, soll der russische General Ivan Kaljushny den amerikanischen Befehlshaber General Alexander Bolling eingeladen haben. Uniformen und Orden wurden bei den Feierlichkeiten getauscht.

Lese jetzt auch:  Jugendlicher sprüht mit Reizgas in Schulbus umher

Kampflose Übergabe der Stadt

Die eigentliche kampflose Einnahme der Stadt ist eine weitere Geschichte. Der in Wittenberge eingesetzte Kommandant Major Rauterberg, verantwortlich unter anderem für die Hinrichtungen von Albert Steinert und Ewald Fredrich, ersterem wurde aufgrund seines selbstlosen Einsatzes als Parlamentär kurz vor Kriegsende ein Weg in Wittenberge gewidmet, hatte sich im Anbetracht der Ankunft der russischen Armee, abgesetzt.

Der damalige Oberbürgermeister Hans-Hermann Meyer floh ebenfalls. Wittenberger Bürger, darunter auch der stellvertretende Bürgermeister Oskar Ußling, begaben sich daraufhin nach Breese, um der dortigen russischen Armee die kampflose Übergabe der Stadt anzubieten.

Lese jetzt auch:  Landkreis Prignitz zieht Zaun zum ASP-Kerngebiet in der Jännersdorfer Heide

Ziel ist eine Ausstellung

Aus vielen dieser Geschichten und geschichtlichen Ereignisse soll letztlich eine Ausstellung entstehen, die Betrachtern einen umfassenden Einblick gibt. Im August nächstem Jahres soll es soweit sein. Zu sehen sein wird die Ausstellung im Stadtmuseum „Alte Burg“. Begleitend zur Ausstellung plant Lennart Gütschow zudem thematische Stadtrundgänge.  

PPA/wb


Keine Beiträge mehr verpassen!

Wir schicken Dir aktuelle Eilmeldungen, Top-Themen und die neusten Beiträge des Tages per Mail. Kein Spam und nur so lange Du das willst. Jetzt für unseren kostenlosen E-Mail-Newsletter anmelden!