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Wittenberge/Pritzwalk. Den Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaften gedachten am Sonntag zum Volkstrauertag Vertreter aus Wittenberge und Pritzwalk. Neben Bürgermeister Dr. Oliver Hermann und Stadtverordnetenvorsitzender Karsten Korup nahmen weitere Stadtverordnete sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wittenberge an der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in der Elbestadt teil.

Dr. Oliver Hermann (l.) und Karsten Korup (r.) legten einen Kranz am Mahnmal für die Opfer von Kriegen und Gewalt nieder. I Foto: Martin Ferch

Der Redebeitrag von Schülern des Marie-Curie-Gymnasiums, mittlerweile Tradition, musste in diesem Jahr aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ausfallen. Mahnende Worte fand Karsten Korup, in seiner Rede und dem anschließenden Totengedenken. Danach legten er und Bürgermeister Dr. Oliver Hermann einen Kranz am Mahnmal für die Opfer von Kriegen und Gewalt nieder.

Musikalisch begleitet wurde die Gedenkveranstaltung von Mihai Filip an der Posaune.

Für den diesjährigen Volkstrauertag hatten die Stadt Pritzwalk, die Gesellschaft für Heimatgeschichte, die Evangelische Kirchengemeinde und Schüler des Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums Pritzwalk eine besinnliche Gedenkveranstaltung in der Dömnitzstadt vorbereitet. Doch auch hier musste die Veranstaltung im größeren Rahmen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Bürgermeister Dr. Ronald Thiel und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Volker Hoffeins, gedachten an diesem Tag dennoch der Opfer der Kriege und legten auf dem Ehrenfriedhof einen Kranz nieder. Siegbert Winter, der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, schloss sich den beiden an.

Am Volkstrauertag 2020 wurde in Pritzwalk auch an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren und an die Opfer der Explosionskatastrophe am Bahnhof im April 1945 erinnert.

Mit Jahresbeginn 1945 rückte die Rote Armee Monat für Monat näher an Berlin und damit auch an Pritzwalk heran. Pritzwalker Feuerwehrmänner waren zum Einsatz in den zerstörten Städten Berlin und Potsdam. Die Stadt selbst war bis dahin vom Krieg weitgehend verschont geblieben.

Bis zum 15. April 1945: Nachdem ein Flugzeug von einem Flakgeschütz auf dem Bahngelände aus beschossen wurde, feuerte der Pilot auf den Bahnhof. Dort traf er einen Munitionszug, der mit V-2-Raketen beladen war. Die Explosionen legten dann das komplette Bahnhofsviertel in Schutt und Asche.

Dr. Ronald Thiel (r.) legte mit Volker Hoffeins (m.) einen Kranz auf dem Ehrenfriedhof nieder. Siegbert Winter (l.) schloss sich an. I Foto: Katja Zeiger

Die meisten Opfer gab es im Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße, wo die Menschen Zerstreuung gesucht hatten. „Es fing so harmlos an“ hieß der Film. Die Druckwelle zerstörte Häuser im Umkreis von etwa einem Kilometer und war noch in den Nachbardörfern zu spüren. Schätzungen gehen von 200 Todesopfern aus. Es war nach dem großen Stadtbrand 1821 die größte Katastrophe in der Geschichte Pritzwalks.

Auch russischer Soldaten Gedacht

Gedacht wurde am Volkstrauertag aber auch der Menschen in Pritzwalk und den Ortsteilen, die nach dem Einzug der Roten Armee so verzweifelt waren, dass sie nur im Suizid einen Ausweg sahen. Ins Gedenken eingeschlossen waren ebenso die 41 toten Soldaten und Offiziere, die auf dem Ehrenfriedhof bestattet sind.

Erinnert wurde außerdem an die Verfolgten des sowjetischen Geheimdienstes NKWD. 1946 wurden rund 70 zahlreiche Jugendliche aus Pritzwalk unter fadenscheinigen Begründungen abgeholt und interniert. Stellvertretend für sie steht Hans-Gerhard Rangnow, der im Alter von nur 20 Jahren 1948 im stalinistischen Umerziehungslager Sachsenhausen verstarb.

PPA/wb/pk


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